Das Wichtigste zuerst: Der Mindestlohn ist eine absolut richtige Entscheidung. Mit der Einführung einer gesetzlich festgelegten Lohnuntergrenze ist es jedem Arbeitnehmer möglich, einen Verdienst zu erhalten, der seiner Arbeit auch würdig ist. Ob dieser Lohn ausreicht, um eine Familie zu ernähren, und ob das Kalkül
Mindestlohn → höhere Konsumausgaben → steigende Umsätze → Ausgleich der höheren Lohnkosten
tatsächlich aufgeht, oder ob die Unternehmen am Ende höhere Kosten haben und die Arbeitslosenzahlen dadurch steigen, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Im Zweifel hat aber der Staat Möglichkeiten, in diese Entwicklungen einzugreifen. Ein Lohnplus von einem Euro kostet ein Unternehmen etwas weniger als 2000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr, vermutlich werden also vor allem kleinere Unternehmen von diesem Problem betroffen sein, sofern es auftritt.
In jedem Fall unterbindet der Mindestlohn aber skandalöse Unternehmenspraktiken wie Jobs, die zusätzlich noch mit Hartz IV aufgestockt werden müssen und mit denen der Steuerzahler die Unternehmen ungewollt und quasi illegal subventioniert. Ab sofort ist jedes Unternehmen gezwungen, einen Mindestlohn zu bezahlen, sofern dies noch nicht durch gesonderte Tarifverträge geregelt ist. Bleibt zu hoffen, dass die staatlichen Kontrollmaßnahmen ausreichen, die dies garantieren. Die geplante Einstellung neuer Kontrolleure beim Deutschen Zoll ist dabei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Ebenso ist zu hoffen, dass die gesetzlichen Regelungen so deutlich sind, dass sie keinerlei Schlupflöcher bieten.
Apropos Schlupflöcher: Leider hat auch der Mindestlohn seine "Schattenseiten"... Die liegen in den Ausnahmen, die er macht. Warum sollen Erntehelfer, die definitiv einer der körperlich anstrengendsten Tätigkeiten nachgehen, nicht auch 8,50 Euro pro Stunde verdienen? Gleiches gilt für Zeitungsausträger. Zwar gibt es für beide Branchen Übergangsfristen, aber warum sollen nicht auch diese Beschäftigten ab sofort das Gleiche verdienen, wie Arbeiter in anderen Branchen auch?
Noch schlimmer hat es die Langzeitarbeitslosen und Jugendliche unter achtzehn Jahren erwischt. Dadurch, dass die Regelung für beide nicht gilt (für Langzeitarbeitslose zumindest in den ersten sechs Monaten), profitieren sie nicht von den neuen Regelungen. Im Prinzip werden sie unter diesem Aspekt also wie Menschen zweiter Klasse behandelt.
Zum Abschluss noch einige Anmerkungen zur Praktikanten-Regelung: In Praktika, die nur kürzere Zeiträume erfassen, gilt der Mindestlohn nicht. Aus zweierlei Gründen ist diese Entscheidung begrüßenswert.
Zum Einen ist es für ein Unternehmen absolut legitim, einen Praktikanten nicht in gleicher Höhe zu bezahlen wie einen "normalen" Mitarbeiter. Praktikanten benötigen Einarbeitung und Aufsicht und bringen nicht die gleiche Leistung wie ein vollwertiger Angestellter. Sofern das Praktikum länger dauert und sich der Praktikant im Unternehmen voll einbringen kann, muss auch hier ein Mindestlohn gewährleistet sein.
Zum Anderen besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen deutlich weniger Praktikanten annehmen, sollten sie sie vollständig bezahlen müssen. Ob den Unternehmen tatsächlich ein wirtschaftlicher Schaden entstehen könnte oder ob es sich um eine Ausrede handelt, sei mal dahingestellt. Aber besser ein schlecht bezahltes Praktikum als überhaupt keine Praktikantenstellen mehr.
Bildlquelle:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b2/Coins.jpg
Public domain
Mindestlohn → höhere Konsumausgaben → steigende Umsätze → Ausgleich der höheren Lohnkosten
tatsächlich aufgeht, oder ob die Unternehmen am Ende höhere Kosten haben und die Arbeitslosenzahlen dadurch steigen, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Im Zweifel hat aber der Staat Möglichkeiten, in diese Entwicklungen einzugreifen. Ein Lohnplus von einem Euro kostet ein Unternehmen etwas weniger als 2000 Euro pro Mitarbeiter und Jahr, vermutlich werden also vor allem kleinere Unternehmen von diesem Problem betroffen sein, sofern es auftritt.
In jedem Fall unterbindet der Mindestlohn aber skandalöse Unternehmenspraktiken wie Jobs, die zusätzlich noch mit Hartz IV aufgestockt werden müssen und mit denen der Steuerzahler die Unternehmen ungewollt und quasi illegal subventioniert. Ab sofort ist jedes Unternehmen gezwungen, einen Mindestlohn zu bezahlen, sofern dies noch nicht durch gesonderte Tarifverträge geregelt ist. Bleibt zu hoffen, dass die staatlichen Kontrollmaßnahmen ausreichen, die dies garantieren. Die geplante Einstellung neuer Kontrolleure beim Deutschen Zoll ist dabei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Ebenso ist zu hoffen, dass die gesetzlichen Regelungen so deutlich sind, dass sie keinerlei Schlupflöcher bieten.
Apropos Schlupflöcher: Leider hat auch der Mindestlohn seine "Schattenseiten"... Die liegen in den Ausnahmen, die er macht. Warum sollen Erntehelfer, die definitiv einer der körperlich anstrengendsten Tätigkeiten nachgehen, nicht auch 8,50 Euro pro Stunde verdienen? Gleiches gilt für Zeitungsausträger. Zwar gibt es für beide Branchen Übergangsfristen, aber warum sollen nicht auch diese Beschäftigten ab sofort das Gleiche verdienen, wie Arbeiter in anderen Branchen auch?
Noch schlimmer hat es die Langzeitarbeitslosen und Jugendliche unter achtzehn Jahren erwischt. Dadurch, dass die Regelung für beide nicht gilt (für Langzeitarbeitslose zumindest in den ersten sechs Monaten), profitieren sie nicht von den neuen Regelungen. Im Prinzip werden sie unter diesem Aspekt also wie Menschen zweiter Klasse behandelt.
Zum Abschluss noch einige Anmerkungen zur Praktikanten-Regelung: In Praktika, die nur kürzere Zeiträume erfassen, gilt der Mindestlohn nicht. Aus zweierlei Gründen ist diese Entscheidung begrüßenswert.
Zum Einen ist es für ein Unternehmen absolut legitim, einen Praktikanten nicht in gleicher Höhe zu bezahlen wie einen "normalen" Mitarbeiter. Praktikanten benötigen Einarbeitung und Aufsicht und bringen nicht die gleiche Leistung wie ein vollwertiger Angestellter. Sofern das Praktikum länger dauert und sich der Praktikant im Unternehmen voll einbringen kann, muss auch hier ein Mindestlohn gewährleistet sein.
Zum Anderen besteht die Möglichkeit, dass Unternehmen deutlich weniger Praktikanten annehmen, sollten sie sie vollständig bezahlen müssen. Ob den Unternehmen tatsächlich ein wirtschaftlicher Schaden entstehen könnte oder ob es sich um eine Ausrede handelt, sei mal dahingestellt. Aber besser ein schlecht bezahltes Praktikum als überhaupt keine Praktikantenstellen mehr.
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