Mittwoch, 7. Mai 2014

Und was wird aus uns?

Kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag ist es an der Zeit, mir ein paar Gedanken über meine Zukunft zu machen.
Nicht, dass ich das schon vorher getan habe, aber mir sind doch einige Dinge aufgefallen: Ohne in irgendeiner Weise pessimistisch sein zu wollen und im Bewusstsein, dass es uns wahrscheinlich niemals so gut ging wie heute, stelle ich fest, dass für mich und alle anderen in meiner Altersgruppe die Zukunft in gewissen Zügen düster aussieht.


21, perfekter Lebenslauf, hohe Erfahrung
Es ist geschafft, das Abitur ist (zumindest fast) vorbei. Nach acht Jahren Gymnasium, mit gerade einmal achtzehn Jahren.
Viele von uns wollen studieren, und viele wissen noch gar nicht so richtig, was denn eigentlich. Ein Lehrer sprach einmal davon, es fehle "die Reife", und er meinte es nicht einmal böswillig.
Wegen des Wegfalls von einem Jahr Schule fehlt uns nicht nur die Erfahrung, wir hatten auch einfach zu wenig Zeit, uns wirklich mit unseren Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen.
Dann also drei Jahre studieren, vielleicht noch den Master obendrauf setzen, am besten nebenbei noch zwei Fremdsprachen lernen und ab in's Berufsleben. Und was soll der angehende Manager, die angehende Ingenieurin haben? Erfahrung! Und zwar mit gerade einmal 21 Jahren. Aber jung, dynamisch UND erfahren ist praktisch unmöglich.
Wo soll die Erfahrung denn auch herkommen? Als Student ist da zuerst die Uni, die auch neben den Vorlesungen fordert. Dann muss man sich ums Finanzielle kümmern, also müssen die Studenten (zumindest die Meisten) nebenher noch arbeiten. Kontakte wollen auch gepflegt werden, ein bisschen Freizeit sollte also auch noch bleiben.
Wenn dann noch Auslandssemester und ähnliche Aktivitäten hinzukommen, wo soll die Erfahrung denn bitte herkommen?
Wenn überhaupt noch Zeit bleibt, dann heißt es halt: Praktika machen!


Generation Praktikum 
Wer also die Möglichkeit hat, muss Praktika machen. Und wenn selbst die nicht reichen oder man erst gar keine gemacht hat, heißt es eben auch mit abgeschlossenem Studium noch: Praktikum!
An sich sind solche Praktika natürlich die beste Methode, tatsächlich Erfahrung zu sammeln, wenn sie denn richtig organisiert sind.
Tatsächlich scheint es aber so, dass junge Menschen häufig von einem Praktikum ins nächste wandern. Der Begriff hat bereits einen eigenen Wikipedia-Artikel.
Sehr treffend. Wenn das Praktikum dazu da ist, billige und befristete Arbeitskräfte zu erlangen, ist ihr Sinn verfehlt.
Was es braucht sind also Richtlinien, die erstens eine gerechte Vergütung garantieren und zweitens verhindern, dass Praktikanten nur ein anderer Begriff für Tagelöhner ist. Das betrifft nicht nur studierte Personen, wie das aktuelle Beispiel einer Supermarkt-Mitarbeiterin zeigt.


Und wer zahlt's? Wir!
Deutschland diskutiert über die Mütterrente und über ein neues Rentenalter. Schön, dass die Arbeitnehmer jetzt mehr Geld erhalten.
Die Frage ist nur: Wer zahlt die Zeche? Richtig, wir! Im jetzigen System ist es eben so, dass die Jungen die Alten finanzieren. Nur werden die Rentner immer mehr und die Zähler immer weniger. 
Heißt, dass wir zwangsläufig mehr für die Rente aufbringen müssen als zuvor und gleichzeitig unsere eigene Altersvorsorge gefährdet ist.
Natürlich ist es wichtig und richtig, der Altersarmut vorzubeugen, aber es ist ebenso wichtig, auch die Beitragszahler im Auge zu behalten. Leider scheint es als würde die Politik im Moment genau das aus dem Auge verlieren.
Ein Leserbrief aus meiner Lokalzeitung mit dem Titel Schafft Euch Kinder An wirkt dabei geradezu zynisch. Als ob es mit Kinderkriegen einfach so getan wäre, zumal wir leider noch immer, speziell die Frauen, vor die Frage gestellt werden: Karriere oder Kind? Beides gemeinsam ist leider nur schwer möglich.
Höchste Zeit für eine Rentenreform und Chancenverbesserungen, damit sich Familie und Beruf vereinen lassen.


Wir sind auch noch da!
Die Politik soll also nicht nur an die älteren Mitglieder unserer Gesellschaft denken, sondern auch uns jüngere im Auge behalten.
Natürlich stellen uns Überalterung und demografischer Wandel vor enorme Herausforderungen. Natürlich muss man Altersarmut vorbeugen.
Doch sicherlich kann es nicht schaden, gelegentlich auch an UNS zu denken. An die, die das Ganze bezahlen müssen. An die, die ebenso mit Herausforderungen zu kämpfen haben, die es früher nicht gab.
An die, die die die Politik in den letzten Jahren aus den Augen verloren hat.

Vielleicht sollte eine Partei auch mal den Mut haben, nicht immer nur von Wahl zu Wahl zu denken und sich nicht nur auf die Altersgruppen mit hoher Wahlbeteiligung (und das sind eben traurigerweise nicht die jungen Meinschen) zu konzentrieren.

Wir können und wollen alle in einer gleichberechtigten Gesellschaft leben, aber das ist nur möglich, wenn auch mal an UNS gedacht wird.


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