Samstag, 8. Februar 2014

Warum Flappy Bird so erfolgreich ist

Vor acht Tagen wurde Flappy Bird im Google Play Store veröffentlicht. Hunderttausende haben das Spiel seitdem heruntergeladen, und es scheint, als würde das Vogel-Spiel Quizduell als aktuelles Nummer-eins-Spiel verdrängen. Doch was macht den Erfolg dieses extrem  simplen, innerhalb von drei Tagen programmierten Spieles aus?

1.) Das Spiel ist so simpel wie genial
Gerade weil das Spiel so extrem simpel ist, hat es eine extrem hohe Suchtgefahr. Ein einziger Finger ist nötig, um das Spiel zu bedienen, die Regeln sind für jeden verständlich: Ein Tipp, ein Flügelschlag. Doch so einfach das Spiel in der Theorie ist, so schwer ist es in der Praxis. Wer es weit bringen will, braucht eine ruhige Hand und sehr viel Geduld. Das Spiel kann aggressiv machen, manchmal hat man das Gefühl, es wurde nur zum Ausrasten programmiert. Doch so schnell aufgeben wollen dann eben doch die wenigsten. Das Spiel weckt den Ehrgeiz, und wenn der eigene Highscore geknackt ist, ist die Freude groß.

2.) Flappy Bird ist ein Social Game
In meinem Freundeskreis gibt es eine WhatsApp-Gruppe, und in der finden sich bereits mehrere Dutzend Screenshots, die sich mit dem Spiel beschäftigen, mit Highscores oder knapp vermasselten Rekorden, der aktuelle Höchststand liegt bei 117. Das Beispiel zeigt den zweiten Grund für den Erfolg des Spiels: Das simple Teilen der Rekorde spornt dazu an, selbst weiterzuspielen. Jeder kann sich mit seinen Freunden messen, und wer das Internet durchsucht, findet weitere Bestleistungen, an denen er sich messen kann. Das Suchtpotential wird durch den virtuellen Wettbewerb noch verstärkt, und es finden sich bereits zahlreiche Videos mit 'Ausrastern', die zeigen, wie ein neuer Highscore nur knapp verpasst wird. Es gibt bereits eine App, die das Spiel kopiert, eine Fan-App wurde ebenfalls gestartet. Das Social Game Flappy Bird ist bereits Bestandteil der Netzkultur.
Weil es sich andeutet, dass der Hype um Quizduell bereits wieder etwas abflacht, könnte Flappy Bird eine Art Ersatz als aktuell meist gehypetes Spiel werden.

3.) Flappy Bird ist nicht kommerziell...
...oder erweckt zumindest den Anschein, es nicht zu sein. Natürlich finden sich auch in diesem Spiel die obligatorischen Werbeeinblendungen, aber niemand muss gegen Geld eine Ingamewährung kaufen, mit der er sich Vorteile verschaffen kann, und eine kostenpflichtige Premiumversion fehlt ebenfalls, sodass niemand genötigt wird, Geld für das Spiel auszugeben.

4.) Der Aufwand ist gering
Einen kleinen Beitrag zum Erfolg leistet vielleicht auch, dass der Aufwand, das Spiel zu spielen, äußerst gering ist: Das Spiel ist noch nicht einmal ein Megabyte groß und läuft daher nicht nur auf aktuellen High-End-Smartphones, sondern auch auf älteren Geräten.
Dazu kommt der zeitliche Aufwand: Flappy Bird ist ein Spiel für Zwischendurch, eine Partie dauert nicht länger als zwei Minuten, damit ist das Spiel auch für Schulpausen, die U-Bahn, die Mittagspause und sogar für den Gang zur Toilette geeignet.

5.) Flappy Bird ist ein Retro-Game
Das Spiel nimmt Anleihen aus der Spielegeschichte: Das Spiel hat eine Grafik, die an alte C64-Spiele erinnert, und nimmt Anleihen bei der Mario-Reihe (Sound, Aussehen der Röhren) und bei Angry Birds (Die Gestaltung des Vogels). Ob das Absicht oder eine rein pragmatische Lösung des Programmierers aus Vietnam ist, macht da eigentlich keinen Unterschied, jedenfalls bewegt sich das Spiel auf der Retro-Welle von Spielen wie Minecraft, Terraria und zahlreichen Android-Spielen.

Es ist also eine ganze Reihe von Aspekten, die zum Erfolg von Flappy Bird beitragen. Es sieht aus, als würde uns das Spiel zumindest noch einige Wochen viel Freude (und Ausraster) bescheren. Wie weit der Erfolg geht, bleibt jedenfalls noch abzuwarten. Vermutlich ist der Höhepunkt noch nicht ganz erreicht.

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